Was nehm ich mit. Erwähnenswert: ich packe diesmal nicht wie sonst, erst einen Tag vor der Abreise, sondern zwei. Dann kann ich morgen noch entspannt etwas besorgen. Im Grunde packe ich nicht viel anders oder weniger für die Handvoll Tage, wie für mehrere Wochen. Paar Klamotten weniger, Unterwäsche, Strümpfe. Aber sonst... ich besorge evt. noch ein weiteres Netzteil für mein Notebook. Eins ist im Büro, da will ich deswegen nicht hin, in der Wohnung habe ich das andere von beiden, so halb unterirdisch verlegt. Kann ich natürlich explantieren, aber ein bißchen Bequemlichkeit und Komfort darf auch sein. Ich mag dauerhaft installierte, unsichtbare Verkabelungen. Plug and Play.
Ein extra großes Laken für den Strand, wenn es vielleicht auch nicht oft zum Einsatz kommen wird. Ich finde Strandkörbe zwar dekorativ, aber eher unbequem. Ansonsten wäre ich da nicht geizig, ich liege einfach gerne auf dem Sand. Aber schon ein bißchen Stoff dazwischen. Meine Lieblingssandalen habe ich zum Schuster gebracht, die sind morgen fertig neu besohlt.
Eine French Press, ein leichteres Modell, nehm ich auch mit. In der Wohnung ist eine Kapselmaschine, mit denen stehe ich auf Kriegsfuß. Der Kaffee aus diesen Automaten schmeckt mir auch nicht. Habe mal in Wien ein Potpourri von ca. fünf angebotenen Sorten durchprobiert, mochte keine einzige. Außerdem finde ich die Dinger nicht sehr schön, vom Verpackungsmüll gar nicht zu reden. Packung Espressopulver nehme ich mit. Wirds auch beim Kampen-Kaufmann geben, aber wer weiß, zu welchen Apothekerpreisen.
Zwei Tücher, eins aus Seide, eins aus Chiffon, kommen mit. Nicht für meinen Hals, sondern die Lampen. Die sehen zwar schon ganz lauschig aus, soweit ich das auf den Fotos erkennen kann, aber ich mag die Beleuchtung gerne gedämpfter. Unterwäsche hab ich schon abgezählt und rausgelegt. Einen Profiverschluss für Schaumwein stecke ich auch ein. Das sind so Kleinigkeiten, die gerne mal fehlen. Handvoll Teebeutel, schwarzer Tee, muss ich keine extra Packung kaufen. Pfeffermühle ist mir zu schwer. Da gibts ja mittlerweile Instant-Pfeffermühlen-Varianten im Gewürzregal. Pfefferpulver kommt mir nicht auf den Tisch.
Paar Teelichte, Kerzen. Regencapes. Flatterkleidchen, zweite Sandalen, Turnschuhe. Stiefeletten. Kuschelige Socken, Klamotten zum Chillen. Kamera-Akku-Ladegerät. Übertragungskabel. Zettel mit dem WLAN-Code. Kleiner Reiseführer mit Syltkarte, auch von den einzelnen Ortsteilen. Paar Pappbecher. Flaschenöffner. Streichhölzer. Nagelschere. Kosmetik. Keine Handtücher! Habe ich eindeutig in den Schränken auf den Fotos der Ferienwohnung gesehen. Die wurden zwar nicht als Inventar aufgelistet, stattdessen aber ein Bademantel. Die Abfahrzeiten von den Bussen auf Sylt hab ich auch ausgedruckt dabei. Im Notebook habe ich eine ganze Litanei Lesezeichen, wohin ein Ausflug interessant wäre, welche Restaurants und Cafés in welchem Ortsteil. Das schaffe ich alles gar nicht, muss ich aber auch nicht. Die Auswahl haben, darum geht es, ist in jeder Ecke was Schönes dabei. Und das Wetter entscheidet ja auch noch so einiges.
Die vergangenen Tage bzw. nun schon zwei Wochen, habe ich jede erdenkliche Sylt-Doku auf Yotube und in Mediatheken geschaut. Oft geht es verständlicherweise nicht nur darum, die Schönheit dieses populären Ortes zu preisen, sondern auch die mit dem wachsenden Tourismus einhergehenden Einschränkungen für die festen Inselbewohner zu zeigen. Mir ist schon bewusst, dass meine Unterkunft in Kampen in dem Dorf ist, das größtenteils aus Ferienhäusern besteht, bzw. aus Zweitwohnsitzen von Nicht-Syltern, was von außen nicht erkennbar ist. Eine ehemalige Kampenerin meinte, dass sich die Anzahl der festen Bewohner von vormals tausend auf fünfhundert halbiert hat. Wer als Normalsterblicher eine bezahlbare Wohnung sucht, gibt nicht selten auf und zieht aufs Festland, wird Pendler. Im Winter bleiben die schönen Reethäuser dann dunkel, Kampen wirkt ausgestorben.
Die schönen Gärten der Reethäuser sehen wohl nahezu gleich aus, weil sie alle vom selben Gärtner gepflegt werden. Angeblich. Ich war ja noch nie da. Dieses Kampen ist aber nun auch der größte Reiz für mich. Es muss ja Gründe geben, wieso es Menschen, die sich alles leisten können, dahin drängt. Das will ich mir mal mit eigenen Augen ansehen. In den Dokus gab es auch viele Naturschauplätze, Naturschutzgebiete. Teilweise fast wüstenhaft anmutend, das finde ich doch anziehend. Kann aber auch sein, dass mir der Wind nicht gefällt, ich bin da so empfindlich, wenn ich trotz Sonnenbrille deswegen weinen muss, wäre das auch nicht so super. Insgesamt habe ich nach den vielen Dokus und Interviews mit Syltern den Eindruck, dass es ein sehr angenehmer, toleranter Menschenschlag ist. Das gefällt mir sehr.